106# Es ist einfach eklig

Ort Datum
 Münsterplatz  31.10.12
Gesprächsbeginn Gesprächsende
Geschlecht Alter
 m
Wie lange sind Sie schon in Konstanz?
Jahre Monate Tage Stunden Minuten
Sind Sie
Eingeborene(r) Tourist(in) Schweizer(in) Zugezogene (r) Student(in) Sonstiges
X
Wo sind Sie geboren? Konstanz, Vincentiuskrankenhaus

Foto: nein

Ich bin Konstanzer, ja. Hier geboren, ja. Hier im Vincentiuskrankenhaus. Aufgewachsen bin ich hinterm Schnetztor. Ich mag meine Stadt. Sie ist nicht so groß, wirkt nicht so gedrängt oder gehetzt wie Zürich oder Berlin. Ähh. Und die Gegend hier ist ganz nett anzuschauen. Die alten Hütten mein ich. Aber inzwischen ist es zu geleckt, etwas. Also die Niederburg, als ich Jugendlicher war, da wohnten nur die Italiener und Spanier da- bestenfalls Kohleheizung, schiefe Wände. Sanitäre Anlagen: Großes Fragezeichen! Und jetzt ist alles wie im Puppenhäuschen. Ja. Auch das Münster, die Westfassade. Wenn es saniert ist, sieht’se aus wie neu gebaut. Die ganze Patina ist weg. Man könnte glauben, ja, fünfzig Jahre, höchstens.

Sonst stört mich noch was, ja: viel zu viele Autos und Hunde. Rheinbrücken für motorisierten Verkehr sperren müsste man und die Grenzübergänge ebenfalls. Und die Köter, üöh, in die Tierkörperbeseitigungsanstalt. Ich mag keine Hunde, Hunde, die in irgendeiner Weise in mein Blick-, Geruchs oder Hörfeld geraten. Ah, das ist völlig sinnlos. Zu nichts nütze. Ich mag’s einfach nicht. Es ist einfach ekelig.

Und ich mag kein schmuddeliges Wetter, wie im Herbst üblich. Ok, heute war’s ok. Dann bin ich mal zufrieden, bin ein Frühjahrsmensch.

Im Frühjahr durch die Parks laufen, den Seepark in Kreuzlingen vor allem, das mag ich gern. Da verbring ich ganze Tage. Lesen. Spazieren.Ich sitz da sehr häufig im Kräutergarten und obwohl ich rauche, hab ich ne gute Nase. Also, ich genieß das. Der Bodensee, ja, ich war in den 70er Jahren die meiste Zeit in Berlin, Westberlin, damals. Und als ich genug hatte, suchte ich mit Familie was anderes und kam auch nach Konstanz im Herbst, oder im Winter, als das Wasser ganz niedrig war und dann stank das. Ich kenn das noch als Kind. Die verrotteten Seepflanzen. Es war also nicht auszuhalten. Und dann dank Kläranlagen rund um den See, innerhalb von 6-7 Jahren, stank er nicht mehr. Überdüngt war er total. Durch Abwässer von Waschmaschinen, Obstplantagen. Da wuchs das Seegras in ufernahem Gebiet. Überall, bis zur Oberfläche. Da gabs dann zwei Schifflein, Seekühe genannt, die dann den ganzen Sommer und Herbst unter der Wasseroberfläche , bis zu 2 Meter, das Gras abgesägt haben. Schlingpflanzen waren besonders schlimm beim Schwimmen. Wenn die dann einem über den Bauch strichen.