191# Ich war also Baukünstler.

Ort Datum  
 Lago  26.10.2012  
Gesprächsbeginn Gesprächsende  
     
Geschlecht Alter  
 m  66  
Wie lange sind Sie schon in Konstanz?
Jahre Monate Tage Stunden Minuten  
 50          
Sind Sie
Eingeborene(r) Tourist(in) Schweizer(in) Zugezogene (r) Student(in) Sonstiges
 x          
Wo sind Sie geboren? Berlin

Foto: 261 / 262 (Video)

Da hat man die Gießberg, das war der erste Bauwerksteil, gebaut. Die Uni-Mensa, die ja wunderschön is mit nem wunderschönen Wasserfall, wunderschöner Wasserlauf – stimmt das überhaupt, was ich Ihnen da grad sag‘? Wundern Sie sich nicht? Is‘ doch wahr, hach, da hab‘ ich Stunden verbracht! Ich hab‘ an der Uni nich studiert, ich hab‘ die gebaut! Deswegen kenn‘ ich mich da ja a weng aus! Jaa! Deswegen weiß ich da auch mit den Jahreszahlen umzugehen, oder? Damals war auch’n Toter auf der Uni, Bauzeit, mal davon abgesehen, aber ansonsten: Ich bewunder‘ ja immer so die Mensa. In den Universitätsstädten, die ich so kenne, da ist diese Mensa hier die schönst gelegene. Wie das zurzeit mit der Küche dort ist, das steht auf einem anderen Blatt Papier. Da kann die Uni nich groß was machen, die kann ihren Koch auswechseln. Aber der Koch hat ja auch nur so viel Geld zur Verfügung und ich weiß nicht, wie viel Essensausgaben da täglich sein müssen, aber ich nehm‘ mal an, das wird Anfang der neuen Semester immer gravierend viel sein, oder? Bis sich die jungen Leute sich da mal’n bisschen durchgeschlagen haben. Aber durch den doppelten Jahrgang sind das gar nich so viele wie die gerechnet haben, so wie ich das weiß.

1966 haben wir angefangen, am Sonnenbühl zu arbeiten und 1970/71. Ich hab‘ also fünf Jahre daran gebaut, aber das wächst ja immer weiter. Ich hab‘ da so verschiedene Sachen gemacht, im Bauhandwerk. Ich konnte den Wasserlauf, der oben auf dem Dach ist, frei gestalten. Da war ich freier Künstler. Oder in der Chemie, in den Pausenräumen, da waren so Sitzmöglichkeiten. Die konnte ich auch nach meiner Fassung gestalten. Ich war also Baukünstler, das bin ich heute noch. Heute bin ich im Ruhestand. Ein bissle tu ich mich noch künstlerisch befassen, a weng.

Der Geruch vom Bodensee? Na das ist meine zweite oder erste Heimat. Ich bin nich mehr loszukriegen oder ich komm‘ nicht mehr weg von hier. Einmal die Natur, einmal die schöne Gegend und dann hab‘ ich mich ja sesshaft gemacht. Ich bin ja so, wie sagt man, wie ein Baum und wenn man den pflanzt, dann bleibt der an seinem Ort und seiner Stelle. Ich lebe in Radolfzell und seit 40 Jahren hab‘ ich da so einen Schrebergarten, den ich so gestalte, wie ich will. Da muss nicht alles in Reih‘ und Glied sein, sondern da kann wachsen, was wächst. Da verbring‘ ich auch viel Zeit, im Sommer. Da pflanze ich auch Gemüse an, zum Beispiel Kohlrabi, Lauch, Kürbisse. Ja, das gedeiht dort gut. Das ist ein schwarzer Moorboden, schon ertragreich. Nein nein, verkaufen darf man das nicht, da macht man sich strafbar, oder! Das sind Nebeneinkommen und Sie wissen ja, der Finanzminister braucht ja Einkommen zum Versteuern. Ha ha ha. Ich ernähre mich also teilweise gesund. Man sieht das ja, ich hab‘ nen schönen Bauch und ich steh‘ auch dazu.

Und für was machen Sie das jetzt, für’s Theater? Für die älteste, bespielte Bühne Deutschlands! Wo wird das gespielt, in der Werkstatt oder im alten Haus? Oooh, in der Spiegelhalle! Fast am See. Wenn man ein bissel zu viel trinkt, dann fällt man ins Wasser. Aber man muss über die Straße kullern, nä? Im April Premiere? Na dann krieg‘ ich ‘ne besondere Eintrittskarte, oder?