145# Ich seh aus wie Wurst und Pelle

Ort Datum
 Stephansplatz  30.10.2012
Gesprächsbeginn Gesprächsende
 7:52  8:05
Geschlecht Alter
 w
Wie lange sind Sie schon in Konstanz?
Jahre Monate Tage Stunden Minuten
 über 10
Sind Sie
Eingeborene(r) Tourist(in) Schweizer(in) Zugezogene (r) Student(in) Sonstiges
 x
Wo sind Sie geboren? Hannover

Wo kommen Sie her?

Ich komm jetzt direkt aus Dettingen, aber da bin ich nicht geboren. Ich bin in Hannover geboren.

Und was hat Sie dann hier nach Konstanz verschlagen?

Das ist eine ganz lange Geschichte. Also mein Mann und ich waren schon mal hier, 1978, nachdem wir geheiratet haben. Da hat mein Mann auf der Mainau gearbeitet, der ist Gartenbautechniker. Und dann sind wir aber wieder zurück, weil meine Mutter krank wurde und das war einfach schwierig, von hier aus zu helfen da oben. Dann sind wir wieder zurückgegangen, haben uns da oben selbstständig gemacht und hatten einen Gartenbaubetrieb. Nachdem sich aber später herausstellte, dass keines unserer Kinder den Laden übernehmen würde und die wirtschaftliche Lage auch schwieriger wurde durch diesen ganzen Mitanbieter wie OBI, Praktiker und wie die all heißen, haben wir den Betrieb verkauft und sind wieder hier runter gegangen. Weil uns das damals hier so gut gefallen hat. (lacht)

Und gab es etwas, bei dem sie gesagt haben, das macht Konstanz aus, deswegen will ich wieder hierher?

Diese Zeit damals war so wunderschön, wir hatten es von der Wohnmöglichkeit her gut getroffen: Wir haben in Litzelstetten gewohnt, das ist einfach eine sehr schöne Wohnlage dort! Mein Mann hatte einen schönen Job, auch das Freizeitangebot hat uns gut gefallen. Man hatte die Berge in der Nähe, es war so vielschichtig, man konnte wandern gehen – man kann ja hier sehr sehr viel machen, das ist ja unglaublich, was man hier an Möglichkeiten hat! Und das hat uns im Gedächtnis immer noch so verfolgt. Und das war dann der ausschlaggebende Punkt, an dem wir gesagt haben, wenn wir irgendwo neu anfangen, dann hier. Das ist natürlich weit weg vom Norden, unsere Kinder sind beide im Norden geblieben (lacht), aber die sind erwachsen, was soll’s. Und wir fühlen uns hier wohl, also das ist einfach so. Es ist einfach sehr schön her.

Haben Sie irgendeine Freizeit-Lieblingsaktivität?

Skifahren. Wir hatten keine Ahnung vom Skifahren, als wir aus dem Norden kamen und sind dann gleich in die Berge, wir haben uns Alpinskier gekauft, vernünftige Schuhe dazu und eine vernünftige Bindung  - und sind dann Ski gefahren. Ich weniger, mein Mann dann mehr, der hat sich jeden Hang runtergestürzt, ich war etwas vorsichtiger.

Sie haben dann aber schon einen Kurs gemacht?

Nee. Einfach so – und dass wir uns nicht den Hals gebrochen haben oder sonst was, das wundert mich heute noch. Aber wenn man noch so jung ist, da ist man noch risikobereit, heute würde ich das auch nicht mehr machen.

Und finden Sie, dass Konstanz irgendetwas Besonderes hat, was Hannover zum Beispiel nicht hat?

Mir gefällt diese Altstadtatmosphäre, die Konstanz ja wirklich an allen Ecken und Enden hat. Bis aufs Industriegebiet. Und die Leute. Ich weiß noch, als wir damals neu waren: Wir haben also jeden angequatscht, den wir auf der Straße getroffen haben. Das ist die einzige Möglichkeit, eine Wohnung zu finden; und die Leute waren unheimlich mitteilsam und wirklich freundlich. Es waren Leute dabei, die haben uns ins Auto geladen und haben uns irgendwo hingefahren, also es war ein sehr nettes Entgegenkommen.

Können Sie sich da an eine spezielle Person noch ganz genau erinnern?

Nein. Ich weiß nur von einer Frau, die wir auf der Straße ansprachen – wir hatten irgendwas gesucht und sie sagte dann: “Fahren Sie mal hinter mir her, ich fahre Sie da mal eben hin!”, und das ist mir schon mehrmals passiert hier. Dass die Leute einfach sehr hilfsbereit waren hier. Wir sind ja jetzt schon über 10 Jahre hier. Die Leute haben sich auch verändert.

Und können Sie sich vorstellen, nochmal woanders zu wohnen?

Ich denke, wir werden jetzt hier bleiben, in unserem Alter würde sich das nicht mehr unbedingt lohnen, umzuziehen. Außerdem haben wir hier jetzt unsere Existenz, wir machen sehr viel eigene Produkte, haben Streuobstwiesen und aus den Äpfeln machen wir dann Säfte, wir haben Obst angebaut und dann mache ich daraus Fruchtaufstriche und solche Sachen. Das verkaufen wir hier auf dem Markt. Und ich habe im Frühjahr ein großes Kräutersortiment.

Und zeichnet sich der Markt durch etwas Besonderes aus?

Also wir haben sehr viel Stammkunden auf dem Markt, es gibt sehr viel Leute, die immer auf den Markt gehen. Im Sommer dann halt Touristen, die hierher kommen und sich das anschauen, aber der Markt wird getragen von den Leuten, die hier immer einkaufen.

Und von Ihren Stammkunden, gibt es da eine Person, die Ihnen sofort ins Gedächtnis kommt?

Ich hab mehrere (lacht). Also ich habe vorwiegend freundliche Kunden. Sehr viele nette, so wie eben Frau Ellegast hier, das ist die von dem Weinhändler, die hier an der Laube ist, die ist immer sehr früh unterwegs, immer fröhlich. Egal zu welcher Uhrzeit.

Sind Sie so der Frühaufsteher?

Nee, ich bin überhaupt kein Frühaufsteher. Das habe ich schon gehasst in meiner Schulzeit. Schon immer. Ich stehe überhaupt nicht gerne früh auf.

Aber Sie ziehen es durch.

Ja, ich muss es ja durchziehen.

Sie machen aber einen fröhlichen Eindruck muss ich sagen.

Ja, bin ich dann auch. Wenn ich erst mal wach bin…aber ich quäle mich schon morgens aus dem Bett.

Wann müssen Sie los zu Hause?

Also im Sommer komm ich so viertel nach sechs, halb sieben bin ich spätestens hier. Aber im Sommer ist es morgens hell, das ist angenehmer, im Winter ist es halt nicht so schön, weil es da meistens dunkel ist.

Und kalt ist es dann bestimmt auch.

Ja, kalt ist es auch. Ich hab mich hier heut angezogen – ich seh’ aus wie Wurst und Pelle (lacht)! Ich hatte keine Lust zu frieren. Ich habe hier schon manchmal gefroren – ich meine, wir stehen ja nur in der Gegend rum. Am Anfang des Winters ist es besonders schlimm. Vom Winter in den Frühling rein ist es einfacher.

Ja und wenn es mal ganz wüst ist, wie jetzt am Samstag, dann verzichte ich mal auf den Markt und bleibe zu Hause. Das ist dann kontraproduktiv. Da kommt kaum jemand.

Stehen Sie nur hier?

Ich bin auf 3 Märkten. Ich bin hier am Dienstag und am Freitag, und in Petershausen bin ich am Samstag.

 

LFD: 357-364