161# Ich dachte hier immer, ich komm nach Hause.

Ort Datum
 Münsterplatz  31.10.12
Gesprächsbeginn Gesprächsende
Geschlecht Alter
 w  50
Wie lange sind Sie schon in Konstanz?
Jahre Monate Tage Stunden Minuten
 5
Sind Sie
Eingeborene(r) Tourist(in) Schweizer(in) Zugezogene (r) Student(in) Sonstiges
Wo sind Sie geboren? Altenburg (Thüringen)

Foto: 426-428

Ich bin seit 2008 in Konstanz, von Thüringen hergezogen, aus Altenburg. Ich bin aus beruflichen Gründen hier. In Thüringen war ich nicht mehr ausgelastet, ich bin Altenpflegerin. Dann hab ich mich hierher beworben, meine Zwillinge mitgenommen nach der Scheidung und die haben jetzt beide einen guten Job. Ich verdiene hier recht gut, in Thüringen hab ich nicht viel verdient. Man muss ja an die Rente denken und außerdem ist es schön hier.

Es war schon eine Umstellung von der Mentalität der Menschen her. Die waren hier alle nett bei der Arbeit, man hat sich mit allen gut verstanden. Aber wenn man jetzt mal nach der Arbeit, wie wir das kennen, einen Kaffee trinken wollte, achja, da haben die den Verein und den Verein. Außer der Arbeit ist da nichts. Ich hab anderthalb Jahre gebraucht, ehe ich in Konstanz mal jemand kennen gelernt hab, mit der ich heut noch befreundet bin seit dreieinhalb Jahren. Ich kannte aber auch schon viele Altenburger, deswegen bin ich hierher gekommen. Die sind alle schon ein, zwei Jahre vor mir hierher gezogen.

Ich wohne in Wollmatingen, in einem Mehrfamilienhaus, leider. Da lernt man schon auch Leute kennen, ich hab eine Nachbarin, mit der ich mich gut verstehe. Aber es wohnen viele jüngere Leute drin.

Besonders mag ich hier den See, da zieht es mich immer hin. Ich hab dreieinhalb Jahre in Petershausen gewohnt.. Man kann ja überall hingehen, ich geh auch gerne mal in die Stadt. Aber nur, wenn nicht so viele Urlauber da sind.

Der See riecht nach Erholung und friedlich, obwohl so viele Boote herumfahren. Ein schönes Gefühl ist das irgendwie. Ich bleib jetzt auch hier. Ich hab nur noch meine Mutti in Thüringen, mein Vater ist leider letztes Jahr gestorben und ich hab ihr immer gesagt, sie kann sofort herkommen. Sie ist eigensinnig. Aber eben auch schon 75. Ich weiß auch nicht, ob ich mit 75 noch weggehen würde.

Meine Kinder fühlen sich hier auch wohl. Ich hab ja Zwillinge. Die Tochter wollte nicht so gern, ich hab sie dann mehr oder weniger mitgeschleift. Ihr Bruder war schon ein Vierteljahr vorher hier, der macht auch Krankenpfleger. Ihr gefällt es jetzt aber auch gut. Dann hab ich noch eine große Tochter in Davos. Sie ist dort auch gut liiert. Den Kindern ist es schon leichter gefallen, mit der Mentalität hier klarzukommen. Mein Sohn ist buddhistisch angehaucht, kann man das so sagen? Er ist nicht direkt Buddhist, aber halt buddhistisch angehaucht. Da gibt’s hier viele Sachen für ihn, wo er was unternehmen kann. Das wurde in Thüringen so ein bisschen belacht. Da gibt’s das noch nicht so. War für mich auch so mit diesem Mond. Da kam er zu einer Freundin, ganz aufgeregt, die ist Friseuse, und meinte: Ja, heute müssen die Kinder noch ihre Haare geschnitten bekommen, weil der Mond da irgendwie so steht. Das war für mich ganz fremd, aber für die Kinder ist das normal.

Hier kann man auch so viel unternehmen. Ich setz mich mal allein ins Kaffee, das kann man in Altenburg nicht, da wird man angeschaut. Hier kann man alleine mal durch die Stadt schlendern. Ich dachte hier immer, ich komm nach Hause. Ich fühl mich in Thüringen auch zu Hause, aber nicht mehr so behaglich wie hier.