121# Der See hat mich wieder zurückgeholt, ich war überall!

Ort Datum
 Rosgartenstraße  02.11.2012
Gesprächsbeginn Gesprächsende
 11:45
Geschlecht Alter
 Männlich  66
Wie lange sind Sie schon am See?
Jahre Monate Tage Stunden Minuten
 50
Sind Sie
Eingeborene(r) Tourist(in) Schweizer(in) Zugezogene (r) Student(in) Sonstiges
 X
Wo sind Sie geboren?

Friedrichshafen

Ich bin seeverbunden, ich bin Segler.

Ich bin aus Meersburg, ehemals Friedrichshafen, ja, ich bin ein Seekind.

Ja, der See hat mich wieder zurückgeholt, ich war überall. Pakistan, Afghanistan, Afrika. In Afrika war ich beruflich, 1967 bin ich ausgewandert. Mit 18 bin ich von Deutschland weg und im November bin ich erst wieder zurückgekommen. In Afrika war ich zwei Jahre, als Werkzeugmacher. Ja ,sehr großer Unterschied zwischen hier und Afrika, aber wohlgefühlt habe ich mich überall. Mir fällt das leicht mich wohlzufühlen, ich bin ein Jahr mit dem Auto in Afrika und Indien unterwegs gewesen, bis nach Schweden rauf und dann wieder nach Friedrichshafen. Dann bin ich wieder zurück und am andern Tag hatte ich schon wieder Arbeit in der Schweiz und da war ich jetzt dann auch bis zum Schluss.

Nein nein, ich war nicht allein unterwegs, ich habe einen Kolleg kennengelernt, in Johannesburg. Dann haben wir uns ein Auto gekauft und selber ausgebaut und dann ging es wieder zurück. Mit dem Fahrrad ist das natürlich komplizierter.

Wir sind mit dem Auto übergeschifft von Kenia nach Pakistan, das war 1969.

Der Internationale Führerschein hat damals gelangt. Das war ne andere Zeit, da war überall Frieden.

Ich bin also immer mal wieder heimgekommen, ich hab ja in Romanshorn gelebt, da konnte ich keine Veränderung feststellen, das war auch wieder der Bodensee. Ja ja, ich habe immer an verschiedenen Stellen am Bodensee gewohnt.Ich brauche Veränderungen, aber immer wieder zieht es mich zurück zum See.

Ja schon klar, dass ich einen bestimmten Geruch in der Nase habe. Ich bin hier aufgewachsen und in Friedrichshafen bin ich zur Schule gegangen und war in der Lehre und war praktisch jeden Tag von März bis Oktober im See baden. Immer, ja, eigentlich immer.
Ich bin immer der Erste, der im See war auch bei 11, 12 Grad. Ja, das härtet ab. Das war eine Kindheitsverbindung. Ich bin seeverbunden, ich bin Segler.

Ja ja, sicher, ich bin immer noch Segler und Schwimmer. Das ist Freiheit: Segeln. Aus dem Hafen raus und dann wohin der Wind einen weht, nach Konstanz, nach Lindau, nach Bregenz, einfach wunderbar.

Für mich ist Konstanz die schönste Stadt am See. Erstens die Gebäude, und dann  lebt es hier – im Gegensatz zu Friedrichshafen und Überlingen. Ja gut, ich habe auch Kollegen in Konstanz und ich glaube, der Mensch ist gerne am See.

Die Leute sind speziell hier am See. Wenn man hier ins Hinterland geht, der Dialekt z.B. Ich hab das Gefühl, die sind hier rauer. Humor muss man kennen. Ob das Schwiezer, Konstanzer, Friedrichshafener oder Überlinger sind. Überall etwas anders. Ich fühle mich einfach wohl in der Gegend.

Eigentlich spreche ich schwietzerdeutsch aber ich probiers (mit hochdeutsch). Ja ich habe 40 Jahre in Romanshorn gelebt. Ich habe dort gearbeitet bis letzten Oktober in einer Firma und jetzt habe ich damit abgeschlossen mit Romanshorn. Heute gehe ich wieder nach Romanshorn, Karten spielen bei einem Kollegen.

Der Geruch, ja einfach je nach Jahreszeit. Der Frühling oder im Frühjahr, das ist ein Phänomen. Auch heute die Berge, das gibts sonst selten auf der Welt, also wo man das so spürt. Das ist der Flair, wenn man in Meersburgg wohnt und dann die Berge sieht mit dem Schnee und dann eine Briese Luft zum Segeln und dann auch was gut ist, das vor 50 Jahren der See fast kaputt war und heute nicht mehr. Ja ja, alle haben ihre Fäkalien in den See geleitet und heute ist er sauber und ist Trinkwasser. Das war nicht so in meiner Zeit. Das hat sich dann verbessert.

Ja, Veränderung von vor 40 Jahren bis heute. Der Tourismus um den See und auch die Preise steigen, und wie.

Mir macht das mit den Schweizern ja nichts aus, ich mag das ja. Aber es gibt schon Reiberei hier in Konstanz mit den Schweizer Kunden und den Autos. Erlebt habe ich das noch nicht, aber ich habe das gehört. Hier hat man keine richtigen Parkmöglichkeiten.

Ja, ich kenne das noch von früher, da ist man rausgezogen und kontrolliert worden. Als ich in Romanshorn gewohnt habe, wurde ich immer kontrolliert, als ich über die Grenze gefahren bin.

 

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