108# Ich bin eigentlich fast jeden Tag dankbar, dass ich hier lebe!

Ort Datum
 Spiegelhalle  2.11.2012
Gesprächsbeginn Gesprächsende
 19:36 19:48
Geschlecht Alter
 Weiblich
Wie lange sind Sie schon in Konstanz?
Jahre Monate Tage Stunden Minuten
 19
Sind Sie
Eingeborene(r) Tourist(in) Schweizer(in) Zugezogene (r) Student(in) Sonstiges
 X
Wo sind Sie geboren? ___Tübingen


Eine Tanzausbildung hat mich hier her verschlagen. Und dann habe ich hier so viele Leute kennen gelernt, die auch etwas mit Tanz, Bewegung und Theater zu tun gehabt haben, dass ich schließlich hier so viele Freunde hatte, dass ich hier geblieben bin. Außerdem ist es ja wunderschön hier. Der See, die Bergsicht, die Luft – ich bin eigentlich fast jeden Tag dankbar, dass ich hier lebe. Alle meine Freunde sagen das gleiche. Eine Freundin von mir war für 1 1/2 Jahre in Berlin, und sie sagt jetzt, dass sie so froh ist, wieder hier zu sein. Ich empfinde das als Luxus, hier zu leben. Ich habe fünf Minuten bis zum See – das finde ich irre! In jeder größeren Stadt muss ich erst einmal was weiß ich wie lange fahren, um an so einen Ort zu kommen. Hier kommen die Leute ja echt her, um Urlaub zu machen. Mein Arbeitsweg, der geht da am See entlang! Ich bin da ganz oft dankbar für, fast täglich – ich sehe das sehr bewusst!

Es gab eine Zeit in der ersten Zeit, da bin ich teilweise nur fünf Mal im Sommer am See gewesen. Absurd, denke ich heute. Ich habe es nicht geschafft, die Entscheidung zu treffen, an den See zu fahren! Völlig verrückt! Heute mache ich’s anders!

Wenn ich von Tübingen zurück komme, steig am Bahnhof aus und lauf über die Rheinbrücke, dann denke ich: “Ach, ich bin wieder zu Hause!” Das riecht – so eine spezielle Feuchtigkeit vom See. Der Geruch, ein ganz besonderer Geruch – also, für mich ist das dann auch Weite. Sogar Freiheit! Das liegt aber daran: Wenn ich nach Hause fahre, zu meiner Mutter – ja, dann rutsche ich in alte Muster rein. Und so – dann ist es nicht mehr frei, nach zwei, drei Tagen fühle ich mich – hmpff. Und wenn ich dann wieder hier bin, dann ist es: Ahhh! Ich hab’ mein Fahrrad, ich kann jederzeit MEINE Wege fahren, MEINE Entscheidungen treffen.

Der See riecht jetzt völlig anders als im Juli. Und ich finde das großartig. Ich liebe den See, egal bei welchem Wetter. Ich finde das total wundervoll, bei jedem Wetter rauszugehen und mir das anzugucken. An der Seestraße – gut, das ist ein bisschen speziell. Aber wenn ich auf den See gucke – alleine diese Bergsicht heute, das ist einfach fantastisch!

Und das mit dem Nebel – das ist ein altes Gerücht! Als ich 1993 hergekommen bin, da erinnere ich mich, das wirklich sechs Wochen lang nicht die Sonne geschienen hat. Das gibt’s überhaupt nicht mehr! Um da eine Beweisführung zu haben, mache ich jeden Tag in meinen Kalender ein Zeichen für “Sonne” oder “Wolken und Sonne” oder nur “Wolken”. Und es gibt bis Weihnachten immer Sonnentage! Und wenn es auch manchmal erst ab 14 Uhr ist. Wochenlang Nebel, das gibt’s nicht mehr!