140# Hier ist die Welt größtenteils noch in Ordnung.

Ort Datum
 Spiegelhalle  02.11.2012
Gesprächsbeginn Gesprächsende
Geschlecht Alter
 w  36
Wie lange sind Sie schon in Konstanz?
Jahre Monate Tage Stunden Minuten
 10
Sind Sie
Eingeborene(r) Tourist(in) Schweizer(in) Zugezogene (r) Student(in) Sonstiges
 x
Wo sind Sie geboren? Arnsberg (Sauerland)

FOTO: 731-732

 

Hin und wieder riecht der See für mich modrig, aber wenn ich das rieche, weiß ich einfach: Jetzt bin ich wieder zu Hause. Meine Eltern wohnen auf dem Land, da riecht es nach Dung.

Gestern war ich am Seeufer unterwegs und war versteckt zwischen Büschen und Sträuchern und da kam einer angepaddelt mit seinem Kanu, nur um mir zu sagen, dass ich so ein schönes Plätzchen habe. Das war etwas skurril, aber lustig.

Der See hat sich in den letzten Jahren schon verändert, er ist zwar voller geworden, weil immer mehr Menschen hier in Konstanz sind, aber bleibt dennoch klar. Je nach Bewölkung schimmert er auch anders.

Und eine Veränderung im Dialekt der Konstanzer ist mir aufgefallen: man redet mehr Schwyzerdütsch als noch vor zehn Jahren. Und die Straßen sind voll geworden. Früher war man im tristen November fast alleine auf der Straße, das gibt es heute nicht mehr, das hat sich also massiv geändert.

Generell mag ich den Sommer am See natürlich am liebsten, weil ich es phänomenal finde, dass man nicht ins Freibad oder sonst wohin fahren muss zum Baden, sondern man einfach ins Wasser springen kann, aber ich mag auch den Winter, wenn man Schlittschuhlaufen kann.

Ich wohne hinter’m Lago und bin deshalb auch oft in der Stadt. Das Café Zeitlos mag ich sehr gerne. Und spazieren kann man hier natürlich auch super, beispielsweise im Seeburgpark in Kreuzlingen. Der Park gefällt mir auch besser als die Uferpromenade in Konstanz, die ja doch sehr schmal ist.

Als ich vor zehn Jahren hierher versetzt wurde, war ich nicht so begeistert, muss ich gestehen. Ich bin Französisch-Lehrerin und wollte eigentlich lieber in der Rhein-Gegend bleiben oder bei Freiburg mit der Nähe zu Straßburg, aber irgendwie kam ich dann nach Konstanz. Aber meine Meinung hat sich geändert: Inzwischen bin ich richtig gern hier und finde es idyllisch, habe Familie und hier ist die Welt einfach noch größtenteils in Ordnung.