74# Eines der schönsten Gefühle der Welt

Ort Datum
Universität 25.10.2012
Gesprächsbeginn Gesprächsende
 12.25  12.35
Geschlecht Alter
weiblich 25
Wie lange sind Sie schon in Konstanz?
Jahre Monate Tage Stunden Minuten
20 X
Sind Sie
Eingeborene(r) Tourist(in) Schweizer(in) Zugezogene (r) Student(in) Sonstiges
 x X
Wo sind Sie geboren? Russland

Geboren bin ich in Russland, bin jedoch mit vier Jahren nach Deutschland gekommen, in die Nähe von Überlingen. Ich studiere hier Soziologie, wohnte zwischenzeitlich auch zwei Jahre in Konstanz, bin aber dann wieder umgezogen und bin jetzt wieder Überlingerin.  Das sind dann mit Wartezeiten immer 2 Stunden Hinfahrt, zwei Stunden Rückfahrt. Das Hin- und Herfahren ist schon anstrengend. Aber ich wohne dort mit meinen Freund, weil er dort seinen Arbeitsplatz hat, und nehme eben das Pendeln in Kauf. Was an den Konstanzern speziell ist? Sie sind stolz auf ihre Stadt. Egal wen du triffst, wenn es Konstanzständige sind, sind sie sehr sehr stolz. Klar, es gibt solche und solche Menschen, die einen sind eher aufgeschlossen, die anderen eher verschlossen, kommt drauf an, wo man sich bewegt.

Ich fahre immer mit dem Bus nach Meersburg und von dort aus mit der Fähre täglich nach Konstanz, ich bin also auch immer direkt auf dem See und er riecht wunderbar und frisch. Im Frühling riecht er sehr sehr frisch, im Sommer riecht er sehr intensiv also das erinnert immer an Urlaub, trotz Arbeitsalltag. Du stehst dann auf dem See und siehst das Glitzern, du riechst diese frische Brise – du fühlst dich echt wie im Urlaub, wie auf dem Meer. Jetzt im Herbst spürt man schon diese kalte Luft, er riecht erdiger. Im Winter riecht man gar nichts mehr, da ist es eisigkalt, frostig. Da ist er für mich eher negativ als Pendler. Ich bin eher so der Herbst-/ Sommertyp. Auf dem See mag ich es auf alle Fälle, wenn es heiß ist. Da hat man dann meistens das Glück, dass du ein paar Tropfen abbekommst auf dem Schiff, wenn es spritzt, das ist dann ganz angenehm.

Ich arbeite auch auf der Fähre. Ich verkaufe dort Kaffee, Kuchen, Brötchen… Wir arbeiten dort in 2-3 Schichten à 6h als Studenten, aber nur 2x die Woche, man braucht ja auch Zeit für’s Studium. Mittlerweile ist es eigentlich auch ein ganz normaler Arbeitsplatz, ich bin schon fast seit 2 Jahren dort und dann stumpft man schon ein bisschen ab, leider… Aber wenn die Sonne untergeht steht man trotzdem da und schaut raus, das ist eines der schönsten Gefühlen der Welt!

Letztens war bei uns auf dem Schiff der Tatort unterwegs, das war einer der aufregendsten Momente bei uns. Die ganze Filmcrew stand da, eine Szene rund 20 mal geprobt, dabei ergibt diese kleine Szene nur wenige Augenblicke. Auch vom Krankenhaus aus werden manchmal Organspenden mit der Fähre nach Meersburg transportiert, da legt die Fähre dann auch immer früher ab, die müssen ja auch rechtzeitig ankommen. Kuriose Menschen fahren bei uns täglich mit, die sich eben anders verhalten, als die breite Masse. Oder wenn dann Touristenbusse kommen und die Leute dich am Arbeitsplatz fotografieren, dann fühlst du dich auch komisch, vor allem wenn von denen niemand Englisch kann und man nicht so recht weiß, was sie wollen. Aber sonst blieb alles grünen Bereich.