174# Hart, aber herzlich

Ort Datum
Rosengartenstr. 02.11.12
Gesprächsbeginn Gesprächsende
Geschlecht Alter
w
Wie lange sind Sie schon in Konstanz?
Jahre Monate Tage Stunden Minuten
Sind Sie
Eingeborene(r) Tourist(in) Schweizer(in) Zugezogene (r) Student(in) Sonstiges
 x
Wo sind Sie geboren? Konstanz

Foto 662-667
Ich bin hier geboren. Mit Unterbrechung, die ein paar Jahre dauerte, lebe ich nun seit fast fünfzig Jahren hier. Konstanz hat sich schon verändert. Jetzt gibt’s H & M, das gabs früher nicht. Aber in Konstanz gabs schon immer Tourismus, vor allem im Sommer, im Winter war es meistens ruhiger. Aber durch die günstige Einkaufsmöglichkeiten für die Schweizer ist das jetzt auch ganzjährig: Es ist immer voll. Es sind eben hauptsächlich die Ausfuhrscheine an den Kassen, die dich warten lassen. Ich habe nichts dagegen, dass sie unsere reizende Stadt besuchen und unsere Wirtschaft ankurbeln, aber ich habe etwas dagegen, wenn jemand für eine Zahnpastatube die Kasse zehn Minuten blockiert.

Ruheorte… das ist wirklich ein schwieriges Thema. Solche Orte gibt es hier fast nicht mehr. Man kann sich auf kleinen Schleichwegen an den Rhein verziehen, in der Hoffnung dort keine Touristen zu treffen, aber dass man wirklich mal ein Stück See hat, wo man alleine ist, das ist schwierig. Ich glaube nicht, dass mein Sohn später hier bleibt. Wir haben ein zweites Zuhause, das etwas weiter weg ist. Im Sommer sind wir immer dort, in Island. Er war schon ein Jahr dort und ich gehe mal davon aus, dass er nach der Schule erst mal dorthin verschwinden wird. Dort gibt es nämlich die Orte, wo man Einsamkeit am Wasser haben kann.

Ich habe eine sehr bunte Mischung im Freundeskreis und auch eine ganz andere Welt außerhalb des Theaters. Das typische für mich an den Konstanzern ist, dass sie hart aber herzlich sind. Vielleicht findet man den Humor und den Zugang zunächst schwer aber ich glaube, dass der Konstanzer, wenn er sich dann öffnet, schon offen ist.

Den einzigen Geruch, den man hier wahrnimmt, ist jener bevor es regnet. Damit bin ich groß geworden. Das gibt es an machen Tagen, dann riecht der See etwas komisch, nämlich nach Seetang. Als Kind hat man mir immer erzählt, dass dann der Regen kommt: das ist mein Seegeruch.