99# Die hat uns auch schon mit nem Sellerie beworfen

Ort Datum
 Stephansplatz  30.10.2012
Gesprächsbeginn Gesprächsende
 7:37  7:45
Geschlecht Alter
 w
Wie lange sind Sie schon in Konstanz?
Jahre Monate Tage Stunden Minuten
 25
Sind Sie
Eingeborene(r) Tourist(in) Schweizer(in) Zugezogene (r) Student(in) Sonstiges
Wo sind Sie geboren? Hessen


Wo kommen Sie denn ursprünglich her?

Ich selber? Ich bin ursprünglich aus Hessen, ausm tiefsten Hessenland.

Und wie sind Sie dann hierher gekommen?

Ich hab hierher geheiratet.

Und wie lange ist das schon her?

Das ist inzwischen fast 25 Jahre her.

War das dann von Anfang an klar für Sie hier her zu kommen?

Ähm nö, ich hab Zwischenstation in Frankfurt gemacht, hab dort meine Ausbildung gemacht und mein Mann ist nachm Studium hier hängengeblieben und dann dachte ich, gucke ich mal nachm Rechten. (lacht) Und bin dann auch hier hängen geblieben.

Dann wohnen Sie direkt in Konstanz?

Ich wohne direkt in Konstanz, genau.

Und dann haben Sie hier auch schon Familie?

Ich hab Familie, genau. 2 erwachsene Söhne und einen Fünfzehnjährigen.

Und gab es für Sie einen ausschlaggebenden Punkt für Sie zu sagen, ich bleibe jetzt hier in Konstanz mit der Familie?

Also das eine ist natürlich der See, ganz klar. Die Berge, wir gehen viel in die Berge und dann natürlich auch der Job, klar. Also jetzt für meinen Mann, der arbeitet in der Schweiz, nahezu klassisch, ne (lacht).

Und wie lange haben Sie schon hier Ihren Stand?

Also ich bin an diesem Stand seit 7 Jahren und habe vorher mit ner Freundin zusammen den Käsestand gemacht.

Und finden Sie, dass der Markt sich durch irgendetwas ganz besonders auszeichnet oder durch die Personen, die hierher kommen?

Also ich denke so für uns Marktleute hat es natürlich schon einen sehr familiären Charakter, man kennt sich, man redet miteinander, es ist nicht son Konkurrenzdenken.

Haben Sie auch schon besondere Leute aufm Markt getroffen?

Jetzt als Kunden oder als Mitarbeiter? Also ich finde so als Kunden, haben wir schon oft gesagt, wir könnten ein Buch schreiben. Ich habe schon sehr besondere Leute getroffen (lacht). Einfach spezielle Leute. Ich denke so, die Vielfalt, die man an Leuten hat. Es gibt Leute, die laufen eigentlich jeden Tag übern Markt und es gibt Leute, die kaufen dann 3 Möhrchen oder ein Salat. Es gibt Leute, die einfach da ihr Umfeld haben und von zu Hause weg und man kennt se, ja, die sind schon sehr speziell. Und ansonsten haben wir in unserer Stammkundschaft viele Schweizer, also da gibt es ganz lustige Leute.

Fällt Ihnen da eine ganz besondere Person ein, bei der Sie sagen, ja, die ist mir im Gedächtnis geblieben?

Das wollen Sie jetzt wissen von mir? Also wir haben eine Omi, die ist sehr mürrisch, sehr mürrisch, ja. Die hat uns auch schon mit nem Sellerie beworfen hier am Stand. Und das ist natürlich immer ne Herausforderung, dass man sagt, man lässt sich nicht anstecken, sondern man geht dann son bisschen ausm Weg und versucht das Beste draus zu machen, ne. Dann haben wir auch ganz fröhliche Leute, die einfach anstecken, ja. Also ich hab schon paar vor Augen, also wenn ich die jetzt alle aufzählen würde, dann würden wir heut Mittag noch stehen.

Wie haben Sie denn darauf reagiert, als Sie mit Sellerie beworfen wurden?

Also da war sagen wir mal, son bisschen die Grenze überschritten, dass wir gesagt haben, sie kann auch gerne woanders einkaufen , aber sie kommt immer wieder. Man lernt damit umzugehen.

Hatte sie einen Grund, den Sellerie zu schmeißen?

Ich glaube nein, die kennt auch jeder hier, die is so. Und eigentlich kann sie einem auch leid tun.

Ist das typisch konstanzerisch?

Nee! Ich denk, das is ne extreme Ausnahme. Also ich erlebe die Leute hier eigentlich offen.

Gibt es einen Unterschied zu anderen Städten? Zum Beispiel Frankfurt?

Ja gut, das ist lange her. Das ist 25 Jahre her. Da habe ich in nem anderen Bereich gearbeitet. Also ich bin eigentlich Krankenschwester, genau. Aber ich liebs einfach draußen an der Luft und mit den Leuten. Und dieser Wochenmarkt im Gegensatz zu – ich kann jetzt bei mir in der Nachbarschaft in irgendeinen Supermarkt gehen, da habe ich nach 20 Jahren das Gefühl, diejenige, die an der Kasse sitzt, die hat noch nie mein Gesicht gesehen. Ich weiß nicht, das haben sie vielleicht auch schon erlebt, das geht so anonym an einem vorbei und hier ist es einfach so, man erzählt sich so viel, man erfährt auch viel über die Leute und die Leute kommen ja auch her, weil sie was Gutes wollen, weil sie was Schönes wollen, wenn sie Gemüse kaufen. Sie wollen wissen, ach, was koch ich denn heut? Wollen auch wissen, wo die Sachen herkommen, finde ich auch ganz wichtig, wir haben überwiegend eigene Produkte soweit im Sommer, die werden im … angebaut. Und es ist eigentlich eher positiv jetzt so von der Arbeit her.

Wenn Sie so ganz spontan an den See denken, was macht den aus?

Also ich habs nicht weit zum See, ich wohn hinten im Tannenhof, ich habs keine 5 Minuten an den See und ich war jetzt am 8. Oktober das letzte Mal baden und hab mir eigentlich vorgenommen, ich geh noch länger, aber (lacht). Wenn ich in dem See bin, das ist so, ich kann das gar nicht beschreiben, das ist son Stück Freiheit irgendwie. Also das ist nicht vergleichbar mit nem Schwimmbad oder sonst irgendwas. Auch beim Nebel, wenn man einfach mal am Sonntag spaziert, das hat schon was Spezielles. Und di Grenznahe zu den Bergen, dass wird wahrscheinlich jeder hier sagen.

Und haben Sie in den Bergen ein bestimmtes Wanderziel immer, wo Sie es besonders schön finden?

Also in den (..)-Bergen, das war sehr schön, da haben wir so ne Rundtour gemacht, ansonsten, das kommt ja auch aufs Wetter drauf an, es gibt überall Schönes zu entdecken.

Und was können Sie in Konstanz empfehlen?

Also ich denke das Voglhaus ist natürlich son Magnet immer.

LFD: 315-320