147# Des isch pures Leben

Ort Datum
 Stephansplatz  30.10.2012
Gesprächsbeginn Gesprächsende
 8:38  8:47
Geschlecht Alter
 w
Wie lange sind Sie schon in Konstanz?
Jahre Monate Tage Stunden Minuten
Sind Sie
Eingeborene(r) Tourist(in) Schweizer(in) Zugezogene (r) Student(in) Sonstiges
Wo sind Sie geboren? Liggeringen

Das zeichnet für Sie schon Heimat aus, so die Sprache hier oder?

Natürlich, klar.

Wo kommen Sie denn ursprünglich her?

Ursprünglich aus Liggeringen auf dem Bodanrück mitten aus der Heimat.

Und  wie lange kommen Sie schon her auf den Markt?

Scho immer. Ich kenn nix andres, ich bin hier aufgewachsen, meine Oma war schon aufm Wochenmarkt . Ich bin die dritte Generation.

Und dann lieben Sie das hier als Lebensinhalt?

Des ghert dazu.

Gibt es etwas Bestimmtes, was Sie hier mit dem Markt verbinden?

Natürlich sind des d Stammkunde, der Umgang mit dene Leute überhaupt. Des isch einfach interessant. Des isch immer wieder was Neues , es kommt au immer wieder was Altes. Des isch pures Leben.

Gibt es da eine Person, die Ihnen einfällt?

Das was sehr verbindet, das isch hier die Gemeinschaft. Wir sin auch schon immer Nachbarn, also grad die hier gegenüber, da ware die Eltern au scho do, des isch a scho die zweite Generation. Der Wochemarkt an der Laube war des. Des isch scho lang her, aber des war immer die Gemeinschaft, also des ghert da dazu. Und au viele Kunde, wir haben viele, die kommen mindeschdens in zweiter Generation zu uns. Gibt au scho dritte Generatione, die zu uns komme.

Also mit dem Stand also praktisch die Stammkunden.

Auch, ja.  Dann kriegsch au einfach ma was mit, wenn manche Kunden da, da kennsch dann au mal de Name und die Familie, des ischs Automatische. Des isch au e weng wied Familie.

Also wie so ne Familie aus den ganzen Ständlern und den Kunden?

Auch. Net unbedingt alle, aber auch. Da hanne isch grad so ne  Ecke, wo mr wirklich miteinander kann und jeder kennt sich sehr gut und lange, weil des eben wie so ne Familie isch. Und dann ischs immer luschdig. Und man tragt sich natürlich au, wenns einem net so gut geht, des ghört au dazu. Also wenn irgendwo jemand krank isch oder wenn mal jemand stirbt, des isch ja a Gang un Gebe, des tragt au mit.

Gibt es etwas, von dem Sie sagen, das macht Konstanz oder den Bodensee für Sie aus?

Konstanz selber…mir wohned ja aufm Bodanrück, des isch traumhaft, des isch für uns de Bodensee auf der einen Seite, i wohn in Langerain, da isch de Bodensee, mir könned faschd runtergucken, 500m Lauf gang i mitte uf de See un wenn cih nach Konstanz komm, ischs immer e bissel wärmer wie bei uns. Obwohl Konstanz Stadt isch ischs trotzdem nit groß. Mir han Verwandtee hier in Kontanz, da kommt mr immer wieder ma zamme. Des isch des, was verbindet. Des isch net unbedingt die Stadt, des isch net unbedingt meine Einkaufsstadt. Des isch dann wieder die andre Richtung, aber s isch einfach unser Leben, zweimal, dreimal die Woche Konstanz.

Wenn Sie  nicht zum Einkaufen herkommen, kommen Sie dann mal in Ihrer Freizeit her, so abends zum Beispiel?

Selten, nee, des weniger.

Ist es Ihnen zu touristisch?

Auch, auch. Wenn mir mittags fertig sin, grad im Frühherbst oder so, wenn viele Touristen da sin, isch mr froh, wenn mr mittags rauskommt. Weil, klar, es sich viel Arbeit dahanne, des isch einfach Hektik de ganze Morge. Wobei mir oft mal im Sommer oder so, die ganze Familie, dass mr mal nach Konstanz einfach wirklich bummeln. Auch mal so durch die Gassen, des ghert scho dazu. Des isch so ähnlich, wie  wenn mr nach italien fährt. Aber abends so zum Ausgehen, nee.

Haben Sie dann Ecken, wo Sie immer hingehen?

Nee, net unbedingt. Des isch einfach die Altstadt, so die kleine Lädele, wo mr dann mal so durchguckt. Un mr entdeckt immer wieder was Neues, sei‘s nur die Dachlandschaft, der Münschderturm isch immer mal was Interessantes. Obe gucke, wo isch was.

Und finden Sie dass man hier so nah an der Schweizergrenze Grenzerfahrungen machen kann?

Also mir habe viel Kreuzlinger Kundschaft. Auch Stammkunden. Auch seit Jahren. Da ham mr sehr viele. Un au sehr viele neue Kundschaft jetzt durch die momentane Finanzsituation, merkt ma schon, in der Schweiz isch es einfach teurer. Die komme her und kaufe ein, meistens gucke se sich an zu zweit, zahlet ganz still un leise und denket, jetzt han mr günschdig einkauft.

Und gibt es einen Unterschied zwischen Konstanzern und Schweizern?

Nee. Doch de Konstanzer kommt einfach (…)

Was ist Heimat für Sie?

Mir sin einfach vom Land un des isch Heimat, des sich einfach so, da isch mr in de Familie, in Vereinen, ma isch überall dabei. Des isch für mich selber Heimat. Irgendwo tragsch au dein Lebe da mit daher. Des ghört  alles zamme un wenn da jemand nur wohnt und guckt, dass er viel Geld verdient, der hat keine Heimat. Des isch zu sehr aufs Äußere fixiert, find ich dann… Und wenns einem mal net so gut geht un die Kundschaft merk des au, dann ischs halt mal so.

Also steckt im Markt auch so das Herzblut  mit drin?

Ja, auf jeden Fall. Also bei uns ganz sicher. Des isch ebe au des Stück Heimat, drum isch mr au regional, was des Angebot anbetrifft, des isch einfach Heimat für mich. Ich war au ne Woche in Italien, abers war schön, als mr  wieder heimkomme sin. (lacht) Und da warn mr au aufm Land, abers isch schön, wenn mr wieder daheim isch.

 

LFD: 343-353