192# Damit bloss der Bua koan Schwob wird

Ort Datum
 Internet  29.3.2013
Gesprächsbeginn Gesprächsende
 14:35
Geschlecht Alter
 Weiblich  55
Wie lange sind Sie schon in Konstanz?
Jahre Monate Tage Stunden Minuten
 29
Sind Sie
Eingeborene(r) Tourist(in) Schweizer(in) Zugezogene (r) Student(in) Sonstiges
 X
Wo sind Sie geboren? ___Messkirch

1. Geschichte:

Ich habe als “Zugezogene” einen Konstanzer geheiratet. Meine Schwiegereltern waren immer ganz besonders stolz darauf,  selbst Konstanzer zu sein und drei echte Konstanzer Buben zur Welt gebracht zu haben. Das mit meinem Schwager ging so: Meine Schwiegermutter, damals 19, war mit dem 2. Kind im 10. Monat schwanger. Trotzdem hatte man sich entschlossen, mit Mann, Frau und dem 2-jährigen Erstgeborenen einen Ausflug nach Stuttgart zu machen.
Auf dem Fernsehturm setzten (plötzlich?) die Wehen ein. Runter vom Turm und ab ins Auto – den Kleinen zur Großmutter irgendwo im Schwäbischen abgeliefert und wie die Feuerwehr runter an den Bodensee gebrettert, alles, “damit bloß der Bua kon Schwob wird!” Es hat bis zum Vincentius-Krankenhaus dann tatsächlich noch äußerst knapp gereicht!
2. Geschichte:
Ich habe als ganz junge Lehrerin an einer Hauptschule gearbeitet. Eine äußerst anstrengende und provozierende Klasse hat mich viele Ermahnungen, ein paar Strafarbeiten und mehrere Minuten Zeit gekostet, bis ich endlich anfangen konnte.
Ich hatte mir am Tag zuvor lilafarbene Lackstiefeletten mit vorne und hinten hochgezogenen Sohlen gekauft und hatte diese an.
Als endlich Ruhe in der Klasse war und ich mit dem Unterrichten beginnen konnte, rief einer der Schüler laut: “Etz guck au mol, wa dia fir bleede Schua a hot!” Brüllendes Gelächter!
Bei mir: heißer Zorn, gemischt mit Unsicherheit, ob ich jetzt mitlachen soll.
Konsequenz: “Jetzt machst Du gerade auch eine Strafarbeit.” (Zwanzig Mal irgend einen Mist schreiben)
Der Rest der zwei Stunden war Ruhe; es war eine super Arbeitsatmosphäre.
Mittags, halb drei Uhr zu Hause: Anruf des Vaters des besagten Schülers: “Hier isch de Herr Sowieso. Sie hond meim Bua a Schtrofarbet geba. Dia macht der it – Sie sind doch selber schuld, wenn Sie so bleede Schua a hond.”
Auflegen.
Diesen Anruf werde ich bis an mein Lebensende nicht vergessen – ich muss noch heute soooo darüber lachen!