158# Da konnte man fast schon zuschauen, wie das Wasser gestiegen ist

Ort Datum
 Spiegelhalle  02.11.12
Gesprächsbeginn Gesprächsende
Geschlecht Alter
 w  43
Wie lange sind Sie schon in Konstanz?
Jahre Monate Tage Stunden Minuten
Sind Sie
Eingeborene(r) Tourist(in) Schweizer(in) Zugezogene (r) Student(in) Sonstiges
Wo sind Sie geboren? Zürich

Foto: 740-742

Ich bin gebürtig aus Zürich. Ich bin seit ’74 in Konstanz, also seit meiner Kindheit, daher würde ich mich auch als Einheimische bezeichnen. Ich fühle mich hier sehr wohl. Das hat schon mit dem See zu tun, aber auch mit der Natur und dem Gebirge.

Der See riecht frisch und manchmal so nach Kühle… wie soll man das bezeichnen, es ist ein ganz spezifischer Geruch. Nach See halt, nach Tang…es ist anders als Meer.

Verändert hat sich der See nicht, nur das Drumherum. Und das nicht zum Vorteil. Der See wird immer mehr als Freizeitgerät missbraucht und es werden trotzdem immer mehr Häfen gebaut, auch das Ufer wird immer mehr zugebaut. Aber der See selber hat sich für mich nicht geändert. Klar, er verändert sich durch den Wasserstand immer mal wieder, mal Hochwasser, mal Niedrigwasser.

‘99 war das letzte Mal Hochwasser. Ich hab damals bei Koko gearbeitet, da hatten wir das Zeltfest auf Klein Venedig. Da hat das Wasser genau an der Kante gestoppt und hier war es ungefähr so hoch. Da war alles mit Barrieren vollgebaut und ich hab da drüben gewohnt, Wiesenstraße, im letzten Haus. Da hab ich dann den ganzen Tag und die ganze Nacht die Pumpen gehört, mit denen sie den Bahnhof leergepumpt haben. Davor gab‘s ’89 mal Hochwasser. Ich weiß noch, ’99, da war‘s an Pfingsten, da hat es zwei Wochen am Stück nur geregnet. Da bin ich dann vor zur Imperia und da konnte man fast schon zuschauen, wie das Wasser gestiegen ist.

Ich bin dann auch mal mit dem Rad um den Untersee gefahren, so bei Ermatingen und Berlingen, das war schon krass. Im Moos bin ich dann echt durch so tiefes Wasser gewatet, bis zur Hüfte hoch.

Das Niedrigwasser 2003 fand ich fast härter. Da sind wir mal mit dem Schlauchboot am Untersee, Richtung Reichenau, Ermatingen entlang gefahren. Bei der Reichenau war alles wie Watt, da war kein Wasser mehr. Da sind wir dann mit dem Schlauchboot aufgehockt, da mussten wir echt aussteigen und es ziehen. Und in Ermatingen, das Wasser war ja so warm, da ist der See zum Teil gekippt, dann schwammen da überall die Aale kieloben, das war nicht schön. Es hat dann auch lange Jahre gedauert, bis es dann wieder relativ normal war. Ich würde sagen, die letzten zwei, drei Jahre war’s erst wieder normal.

Oder beim ‘89er Hochwasser, da saßen wir dann auf den Bänken im Rondell, im Stadtgarten und unter uns kam das Wasser hoch.

Hier am See hab ich mehrere Lieblingsorte, die verrate ich aber nicht. Na gut, einer. Wenn so richtig Hochsommer ist, so richtig Hitze und auch nicht so hoher Wasserstand, dann fahr ich mit dem Bus nach Wallhausen raus und dann lauf ich noch ein Stück weiter zur Marienschlucht. Da gibt es so kleine Buchten, dieser Sandstein geht dann ein Stück raus, erst ist noch alles flach und dann geht’s plötzlich runter. Da ist es immer herrlich kühl und keine Sau da.