119# 120 Kilo Pornos

Ort Datum
 Rosgartenstraße  02.11.2012
Gesprächsbeginn Gesprächsende
 10:53  11:10
Geschlecht Alter
 Männlich  65
Wie lange sind Sie schon in Konstanz?
Jahre Monate Tage Stunden Minuten
Sind Sie
Eingeborene(r) Tourist(in) Schweizer(in) Zugezogene (r) Student(in) Sonstiges
 X
Wo sind Sie geboren?

Schweiz, Kanton Graubünden: Andiast

Ich war Zöllner.

Ich bin hier zum Shopping. Und jetzt geh ich mal wieder durch die Altstadt von Konstanz, wie vor 40 Jahren. Es hat sich vieles verändert. Die Altstadt ist schon geblieben, aber das Einkaufszentrum und die Seestraße waren offen und dann der Hauptzoll Emmishofen, da war kein Autobahnzoll, es hat sich schon vieles verändert.

Ja also, viele Sachen kommen mir wieder in den Sinn – aha da war das auch schon – aber das ist schon eine lange Zeit her. Und jetzt sind wir mal wieder hier zum shoppen.

Ich war einmal in Konstanz, da war ich 24 Jahre. Und die erste Erinnerung für mich war im Casino Konstanz. Ich habe nicht gespielt, ich habe gar nicht gewusst, wie das geht. Ich habe einen Arbeitskolleg von mir, der war zweimal die Woche in Konstanz am Spielen, der wusste wie das geht. Ich habe davon keine Ahnung, und die Eintritte, die ich dort gesammelt habe, sei es am Roulettetisch oder an den Automaten, das ist mir immer noch geblieben. Da sind alte Leute, alte Frauen, an den Spielautomaten, der Kolleg hat dann erklärt, jetzt musst  du entweder auf schwarz oder rot setzen, dann musst du jetzt das machen. Ach, der hatte eine Geduld gehabt. Er hat clever gesetzt. Er hat die Chips in die Taschen gesteckt und hat dann gesag:  ”gut ich geh wieder”. Das hat er aufs Spiel gesetzt.

Ich war nicht so ein Spieler, er hat schon erklärt: Hier kannst du probieren, aber du kapierst nicht viel.
Das ist mir eigentlich geblieben.

Ich habe noch Kontakt mit dem Kolleg. Ja, hier und da kommt wieder die Erinnerung von Konstanz in den Sinn.

Ich bin früher von den Schweizer Bergen heruntergekommen, da war Kreuzlingen und Konstanz fremd für mich. Für die Highsociety war das sehr interessant.

Ich hab Erfahrungen gesammelt in Konstanz. Da waren Frauen, die haben Striptease gemacht in den Casinolokalen.

Auf der Kreuzlinger Seite gabs sowas nicht. Das Nachtleben war schon in Konstanz.

Ich habe am Hauptzoll gearbeitet, ein Jahr lang. Und nach einem Jahr ist man dann versetzt worden Richtung Singen. Es war eine sehr gute Zusammenarbeit mit den deutschen Kollegen. Keine Rivalitäten. Ich war praktisch immer mit meinem deutschen Kollegen zusammen.

Es gab auf Schweizer Seite strenge Zöllner und auf der deutschen Seite auch. Ich war ein strenger Zöllner, ja vielleicht bei gewissen Situationen war ich streng. Wenn man danach fragte: “Haben sie etwas zu verzollen?” und sie antworteten: “Nein!”  und dann schaute man nach und dann hatten sie doch etwas und dann hat es natürlich eine Buße gegeben und dann wird es prekär. Dann werde ich auch so: “Nein fertig! So nicht!”

Das Dreisteste waren mal 120 Kilo Pornographie vor 40 Jahren. Das war ein normales Auto und er war sehr höflich, ich war damals noch in der Ausbildung. Und mein Kolleg sagte: “Da musst du jetzt mal reinschauen der ist nicht ganz in Ordnung!”  Und ich so: “Ja?!” und dann habe ich nachgesehen und dann haben wir ihn erwischt.

Die Deutschen konnten mit ganzen Koffern über die Grenze, das ist heute etwas anders.

Ich finde das schon nicht so korrekt, wenn deutsche Behörden diese CD´s kaufen. Die CD´s, das sind gestohlene Daten. Das ist eine Privatsache.

Die Straßenkontrolle, die gabs auch auf den Schiffen. Die Arbeit war schön aber sehr kalt im Winter, eine Schicht ging 5 Stunden.

Es waren dunkelgrüne Umhänge, das war eigentlich noch schön, dann haben wir die Hände im Sack behalten können, und die Waffe war auch versteckt, wenn ein Terrorist gekommen ist.

Früher hatten weder Deutsche noch die Schweizer tagsüber eine Waffe getragen, aber dann gab es den Vorfall in Oberritz. Da wurden zwei Zöllner erschossen oder, das war im Jahre 73, da war ich bei Stein am Rhein. Und dann sind wir ausgerüstet mit der Waffe.
Am Tag gab es eine andere Vertrauensbasis.

 

Fotonummer: 632- 636